Polarlichter Fotografie: Alles was Du wissen musst

Polarlichter Fotografie

Alles was Du wissen musst
Die Polarlichter mit eigenen Augen zu sehen und zu fotografieren ist ein magisches und unvergessliches Erlebnis. Es gehört natürlich eine Portion Glück dazu, dass man Augenzeuge dieses Spektakels wird. Damit die Aufnahmen dann auch gelingen, ist eine gute Vorbereitung sehr wichtig. Unsere praktischen Tipps und Tricks helfen Dir dabei.
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1. Die richtige Vorbereitung ist der halbe Erfolg


Die Kameraausrüstung
Verwende eine Kamera mit manuellen Einstellmöglichkeiten (z.B. Spiegelreflex, Bridge-oder System-Kamera), die gut geeignet ist rauscharme Aufnahmen bei hohen ISO-Werten zu machen.

Nutze ein lichtempfindliches Weitwinkel-Objektiv. Dies erlaubt Dir einen grossen Bildwinkel zu erfassen sowie mit kürzeren Verschlusszeiten zu arbeiten.
Checkliste: Dieses Equipment solltest Du dabei haben
  • Ein stabiles Stativ
  • Spiegelreflex, Bridge- oder System-Kamera
  • Lichtstarkes Weitwinkel-Objektiv
  • Genügend Akkus und Speicherkarten
  • Kabel-Fernauslöser (alternativ kann man auch den Selbstauslöser der Kamera nutzen)
  • Ev. ein Zip-Beutel als Schutz gegen Schneefall
  • Microfasertuch um die Linse von Schneeflocken zu befreien
Lofoten Polarlichter

Valen, Moskenesøy / Bild: Cody Duncan
Nikon D800, Nikon 14-24mm f2.8, f4.5, 20s, ISO 1250

Nimm genügend Akkus mit
Bei sehr kaltem Wetter, solltest Du unbedingt genügend Reserve Akkus für die Kamera dabei haben. In der Kälte wie auch bei längeren Verschlusszeiten entladen sich die Akkus schneller. Trage die Reserve Akkus nah am Körper, damit sie nicht der Kälte ausgesetzt sind.

Zieh Dich warm an
Die Jagd nach Polarlichtern verlangt viel Geduld. Manchmal muss man mehrere Stunden in der Kälte ausharren. Deshalb ist es wichtig warme und atmungsaktive Funktionskleidung im Zwiebelprinzip zu tragen.
Checkliste: das hält Dich warm
  • Funktionsunterwäsche für die erste Schicht
  • Warme und atmungsaktive Funktionskleidung für die mittlere Schicht
  • Eine sehr warme Winterjacke (z.B. Daunen, Primaloft etc.)
  • Gefütterte Skihosen / Winterhosen
  • Handschuhe, z.B. dünne Fingerhandschuhe und ein paar dicke Fausthandschuhe
  • Mütze und Schal
  • Warme Winterschuhe mit entsprechender Profilsohle
  • Wärmekissen für Hände und Füsse
  • Spikes für die Schuhe (bei Bedarf)
  • Stirnlampe
  • Für das Wohlbefinden: Thermoskanne mit heissem Tee
Lofoten Polarlichter

Toppøy, Moskenesøy / Bild: Cody Duncan
Nikon D800, Nikon 24mm f3.5 tilt-shift, f4.8, 15s, ISO 1600

Studiere den Wetterbericht und die Aurora Vorhersage
Um das Polarlicht zu sehen, müssen 4 verschiedene Faktoren stimmen: Dunkelheit, man muss sich im hohen Norden unter dem „Polarlicht-Oval“ befinden, klarer Himmel und Eruptionen auf der Sonne. Die ersten beiden Faktoren lassen sich einfach lösen, indem man zwischen Oktober und März in den hohen Norden reist: zum Beispiel nach Alaska, Nordnorwegen, Finnland oder Island. Die letzten beiden Faktoren sind jedoch wenig planbar. Es lohnt sich daher möglichst viel Zeit vor Ort zu verbringen (eine Woche oder mehr). Vor Ort sollte man nebst dem lokalen Wetterbericht auch die Aurora Vorhersage regelmässig prüfen.
Haukland Strand, Lofoten

Haukland Strand, Vestvågøy / Bild: Cody Duncan
Nikon D810, Nikon 14-24mm f2.8, f4, 8s, ISO 2000

2. So entdeckst Du das Polarlicht am Himmel

So lange sich die Augen nicht an die Dunkelheit gewöhnt haben, ist es gar nicht so einfach die Polarlichter zu entdecken. Dies gilt insbesondere wenn Du dich in einem beleuchteten Raum befindest und aus dem Fenster schaust. Sobald Du dich im Dunkeln befindest (natürlich am besten draussen) wirst Du das Polarlicht jedoch gut erkennen.

Du bist nicht sicher, ob sich am Himmel eine helle Wolke oder ein (schwaches) Polarlicht befindet? Deine Kamera ist viel sensibler als Deine Augen. Mach eine Test-Aufnahme. Ist die Wolke auf dem Display grün? Super, dann hast Du es mit einem Polarlicht zu tun. Auch bei einem schwachen Polarlicht wird die Kamera das Polarlicht viel grüner als Du es von blossem Auge siehst abbilden.

3. Achte auf die Bildkomposition

Nur den Himmel mit den Polarlichtern zu fotografieren kann schnell langweilig wirken. Baue einen schönen Vordergrund in Deine Aufnahme mit ein. Erstelle eine tolle Landschaftsaufnahme, z.B. mit einem Strand, einem Waldrand, einer Hütte oder eine Bergkette mit den Polarlichtern im Hintergrund. Ganz toll wirkt auch ein Vordergrund in welchem sich das Polarlicht spiegeln kann, z.B. ein See.
Lofoten Polarlichter

Uttakleiv Strand, Vestvågøy / Bild: Jennifer Brühlmann
Nikon D810, Nikon 14-24mm f2.8, f4.5, 20s, ISO 1250

4. Die richtigen Kameraeinstellungen


Fokus
Schalte den Autofokus aus und stelle manuell scharf. Stelle die Schärfe an Deinem Objektiv auf unendlich ein. Wichtig: teste dies unbedingt einmal tagsüber und merke dir die Einstellung wo genau Dein Objektiv auf unendlich eingestellt wird. Dies kann je nach Objektiv variieren. Im Dunkeln kannst Du dann einfach mit Hilfe einer Stirnlampe das Objektiv korrekt auf unendlich scharf stellen.

Alternativ kannst Du auch manuell auf den Mond fokussieren oder Strassenlaternen. Mit Verwendung des Live View kannst Du das Objekt nah ran zoomen und dann einfach scharfstellen.

Bildstabilisator
Falls Dein Objektiv über einen Bildstabilisator verfügt, schalte diesen bei einem Einsatz des Stativs unbedingt aus. So minimierst Du Verwacklungsunschärfe.

Fotografiere im manuellen Modus
Blende
Arbeite mit einer offenen Blende. Je offener die Blende desto kürzere Verschlusszeiten kannst Du anwenden.

Zeit
Die Verschlusszeit hängt stark von der Umgebung ab. Der Mond, allfällige Lichtverschmutzung von naheliegenden Dörfern oder auch eine verschneite Landschaft haben einen Einfluss auf die Verschlusszeit. Ebenso die Stärke und Intensivität der Polarlichter. Eine längere Verschlusszeit stellt die Farben der Polarlichter stärker dar. Möchtest Du dagegen die Tanzbewegungen der Aurora einfrieren, solltest Du die Verschlusszeit so kurz wie möglich halten: am besten unter 10 Sekunden.
Unser Tipp
  • Starte mit einer Belichtungszeit von 10 Sekunden an und überprüfe anschliessend das Histogramm. Korrigiere dann je nach Bedarf die Verschlusszeit.
  • Tanzen die Polarlichter am Himmel = kurze Verschlusszeit von maximal 10 Sekunden
  • Bewegen sich die Polarlichter nur langsam = längere Verschlusszeit von ca. 20 Sekunden
Lofoten Polarlichter

Hamnøy, Moskenes / Bild: Jennifer Brühlmann
D810, 14-24mm f2.8, f3.2, 15s, ISO 2000

ISO
Der ISO Wert hängt stark von den äusseren Bedingungen ab. Liegt Schnee in der Umgebung? Erhellt der Mond die Landschaft? Auch das Rauschverhalten Deiner Kamera, die Lichtstärke Deines Objektivs und die eingestellte Verschlusszeit haben einen Einfluss auf die ISO.

Je nach Helligkeit in der Umgebung solltest Du Deine ISO entsprechend anpassen. Grundsätzlich ist eine tiefe ISO Einstellung die beste Wahl. Je höher Du den ISO Wert wählst, desto kürzere Verschlusszeiten kannst Du natürlich nutzen. Das erhöht jedoch das Bildrauschen. Du musst die optimale Grenze zwischen kurzer Verschlusszeit und allfälligen Bildrauschen finden.

Weissabgleich
Der Weissabgleich kann je nach Situation heikel sein. Mit dem automatischen Weissabgleich, erzielst Du oft gute Resultate. Befindest Du Dich jedoch an einem Ort mit viel Lichtverschmutzung, z.B. durch ein in der Nähe liegendes Dorf oder einer Stadt, können Deine Bilder sehr schnell einen orangenen Ton annehmen. In solch einem Fall lohnt es sich den Weissabgleich manuell einzustellen. Natürlich kannst Du den Weissabgleich auch bei der Bildbearbeitung im Post-Processing korrigieren.
Unser Tipp
  • Arbeite je nach Kameratyp mit ISO Werten zwischen 800 und 3200
  • Tanzen die Polarlichter am Himmel, dann erhöhe die ISO damit Du mit einer kurzen Verschlusszeit von maximal 10 Sekunden arbeiten kannst
  • Bewegen sich die Polarlichter nur langsam = stelle die ISO so tief wie möglich ein, damit Du eine längere Verschlusszeit von ca. 20 Sekunden einstellen kannst.
Überprüfe Deine Belichtung
Prüfe nach der Aufnahme die Belichtung unbedingt anhand des Histogramms. Der Kamera Display erscheint im Dunkeln sehr hell, da Deine Augen nun an die Dunkelheit gewöhnt sind. Auch ein unter oder überbelichtetes Bild kann dann noch gut aussehen. Anhand des Histogramms siehst Du, ob Du die Belichtung korrigieren musst oder nicht.

5. Nach der erfolgreichen Polarlichterjagd


Schone Deine Kamera!
Du hast erfolgreich Deine ersten Polarlichter Aufnahmen eingefangen? Prima! Wenn Du nun zurück zu Deiner Unterkunft gehst, achte darauf, dass Du Deine Kamera keinem Temperaturschock aussetzt. Denn bei einem abrupten Wechsel von Minusgraden zu geheizten Zimmern kann sich in der Kamera Kondensationsfeuchte bilden. Das kann unter Umständen fatale Auswirkungen haben. Lasse die Kamera einfach in Deinem Fotorucksack langsam an die beheizten Räume akklimatisieren und packe Sie erst später aus.

Die Bildbearbeitung
Fotografiere im RAW Format. Dies ermöglicht Dir in der Nachbearbeitung das Beste aus Deinen Bildern herauszuholen. So kannst Du zum Beispiel das Rauschen aufgrund der erhöhten ISO etwas minimieren.
Lust auf ein unvergessliches Polarlicht Abenteuer?
Auf unseren Lofoten Fotoreisen in Norwegen hast Du die Möglichkeit die landschaftlichen Highlights und die Polarlichter zu entdecken. Unsere Fotoreisen werden vom renommierten Naturfotografen Cody Duncan begleitet. Cody lebt auf den Lofoten und kennt die Inseln wie seine Westentasche. Er führt Dich zu den schönsten Fotospots und weiss genau wo und wann man nach Polarlichtern Ausschau halten muss.
zur Fotoreise Lofoten Herbstfarben zur Fotoreise Lofoten Wintertraum
Lofoten Polarlichter

Uttakleiv Strand, Vestvågøy / Bild: Jennifer Brühlmann
D810, 14-24mm f2.8, f2.8, 25s, ISO 1600

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Jennifer Brühlmann
Jennifer Brühlmann
Reisen und Fotografie sind unsere Leidenschaft. Auf unserem Blog berichten wir über tolle Foto Locations weltweit, Tipps und Tricks in der Naturfotografie, unsere Fotoreisen und vieles mehr.