Die Milchstrasse fotografieren

Die Milchstrasse fotografieren leicht gemacht

Ein einfacher Einstieg mit vielen Tipps & Tricks
Die Milchstrasse während einer klaren Nacht zu bestaunen und zu fotografieren ist ein grossartiges Erlebnis. In diesem Blog-Artikel zeigen wir Dir wie du mit etwas Übung in einfachen Schritten tolle Milchstrassenfotos erstellen kannst.
Kostenloses eBook zum downloaden
Trage Dich jetzt in unsere Mailing-Liste ein und erhalte als Dankeschön unser eBook zur Milchstrassen Fotografie im praktischen PDF Format.

Milchstrasse fotografieren

Die Milchstrasse über dem Stellisee in Zermatt
Nikon D850, Sigma 14mm f/1.8, f/2, 15s, ISO 6400


Die besten Voraussetzungen für die Milchstrassenfotografie
In unseren Breitengraden bzw. in Mitteleuropa ist das gut sichtbare galaktische Zentrum der Milchstrasse nicht das ganze Jahr über sichtbar. Die „Milchstrassensaison“ dauert auf der nördlichen Halbkugel von ca. März bis Oktober. Danach verschwindet das Zentrum wieder hinter dem Horizont. Grundsätzlich gilt, je nördlicher umso kürzer die Milchstrassensaison bzw. umso schlechter die Sichtbarkeit des galaktischen Zentrums.

Anfang der Saison steht die Milchstrasse in den frühen Morgenstunden sehr flach am Himmel. Das ist die ideale Voraussetzung um in Deiner Bildkomposition einen flachen Milchstrassenbogen zu integrieren.

Auf der südlichen Halbkugel (z.B. im südlichen Afrika oder in Australien) befindet sich das galaktische Zentrum während der Saison hoch oben und ist sehr gut sichtbar.
Die Milchstrasse fotografieren - die besten Bedingungen im Überblick

  • Sichtbarkeit des galaktischen Zentrums
  • Ein möglichst dunkler Ort / geringe Lichtverschmutzung
  • Kein Mond am Himmel (Neumond oder der Mond ist bereits untergegangen)
  • Ein klarer Himmel
Plane im voraus um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein
Suche Dir für Deine Milchstrassenfotos eine möglichst dunklen Ort mit geringer Lichtverschmutzung aus. Nur an einem wirklich dunklen Ort wirst Du die Milchstrasse gut beobachten und fotografieren können. Bedenke dabei, dass sich die Milchstrasse jeweils im Süden befindet. Du solltest deshalb auch an weiter entfernt liegende Grossstädte im Süden denken, wenn Du keine Lichtverschmutzung in Deinen Aufnahmen haben möchtest.

Es gibt verschiedene Apps und Internetseiten die Dir dabei helfen, einen besonders dunklen Ort zu finden. Im Internet ist zum Beispiel Dark Site Finder eine hilfreiche Adresse.

Schaue auch die Monddaten für Deinen geplanten Milchstrassen-Ausflug im Voraus an. Am besten sind mondlose Nächte oder Nächte bei welchen der Mond bereits untergegangen ist.

Ebenfalls ein wichtiger Faktor ist natürlich das Wetter. Damit Du die Milchstrassen in ihrer vollen Pracht fotografieren kannst, brauchst Du einen möglichst wolkenfreien Himmel. Hier helfen Dir vorab diverse Wetter-Apps um die aktuelle Lage gut einschätzen zu können.
Unser Tipp - die PhotoPills App:
Der Nacht-AR-Modus der App zeigt Dir die Position der Milchstrasse, inklusive wo genau sich das galaktische Zentrum befindet, zu einem x-beliebigen Zeitpunkt im Livebild deines Smartphones an. So kannst Du Dir bereits vorab Gedanken zur Bildkomposition machen. Du kannst mit dem Planungstool der App alle Daten im Voraus abrufen und so optimal planen. Die App zeigt dir z.B. die Zeiten für Aufgang und Untergang von Sonne und Mond, Stadium der Mondphase, die Sichtbarkeit des galaktischen Zentrums, den Stand der Milchstrasse am Himmel.

Mehr Informationen über praktische Apps für Fotografen findest Du unter diesem Blog-Beitrag.
Milchstrasse fotografieren

Milchstrasse über dem Saoseo See im Puschlav
Nikon D750, Sigma 14mm f/1.8, f/1.8, 20s, ISO 3200

Diese Ausrüstung brauchst Du für die Milchstrassenfotografie
Damit Dir gute Aufnahmen der Milchstrasse gelingen, brauchst Du eine gute Spiegelreflex- oder System-Kamera, ein lichtstarkes Objektiv und ein Stativ.

Nutze eine Kamera mit gutem Rauschverhalten
Da für den Sternenhimmel und die Milchstrasse eine möglichst kurze Belichtungszeit genutzt werden sollte, muss ein entsprechend höherer ISO-Wert eingestellt werden. Dabei ist es natürlich von Vorteil, wenn Du eine Kamera mit gutem Rauschverhalten besitzt. Die besten Resultate erhält man mit einem Vollformatsensoren, da diese bei hohen ISO-Werten weniger Bildrauschen erzeugen.

Verwende ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv
Nutze das weitwinkligste und lichtstärkste Objektiv, das Du besitzt. Man kann beispielsweise auch mit einem Kit-Objektiv schon ganz gute Bilder der Milchstrasse einfangen. Je lichtstärker und je weitwinkliger Dein Objektiv ist, umso bessere Bilder gelingen Dir.

Je weiter Du die Blende öffnen kannst, desto mehr Licht kann Dein Objektiv aufnehmen. Das ist insbesondere deshalb wichtig, da sich die Sterne aufgrund der Erdrotation am Himmel bewegen. Wenn Du zu lange belichtest, hast Du statt knackig scharfen Sternen unschöne Striche in Deiner Aufnahme. Ideal sind somit Objektive mit einer maximalen Blendenöffnung von f/2.8 oder gar f/1.4.

Auch die Brennweite spielt eine wichtige Rolle. Je grösser Dein Bildausschnitt desto besser gelingt es Dir die imposante Milchstrasse in ihrer ganzen Pracht einzufangen.

Setze auf ein stabiles Stativ und einen Fernauslöser
Verwende ein möglichst stabiles Stativ, das in unwegsamen Gelände einen guten Halt hat und auch bei entsprechenden Wetterverhältnissen Wind und Wetter trotzt. Zusätzlich zum Stativ solltest Du einen Fernauslöser mit dabei haben. Er ermöglicht es Dir ohne die Kamera zu berühren auszulösen und so knackscharfe Bilder einzufangen. Alternativ kannst Du auch den Selbstauslöser Deiner Kamera nutzen.
Kurze Zusammenfassung - das brauchst Du
  • Spiegelreflex- oder System-Kamera mit gutem Rauschverhalten
  • Lichtstarkes Weitwinkelobjektiv
  • Stabiles Stativ
  • Fernauslöser
  • Stirnlampe oder kleine Taschenlampe
  • Warme Kleider
Milchstrasse fotografieren

Die Milchstrasse über dem Alpenpanorama in Zermatt
Nikon D750, Sigma 14mm f/1.8, f/1.8, 20s, ISO 2500

Die Kamera-Einstellungen: In 8 Schritten zum perfekten Milchstrassenfoto
1. Bildkomposition
Überlege Dir eine tolle Bildkomposition und baue die Milchstrasse darin mit ein. Wähle zum Beispiel einen tollen Vordergrund wie z.B. Bäume, ein Bergpanorama, ein einzelnes Gebäude wie z.B. eine Bergkapelle. Toll können auch Gewässer sein in welchem sich der Sternenhimmel mitsamt der Milchstrasse spiegelt.

2. Voreinstellungen an der Kamera
  • M-Modus: Stelle sicher, dass Du bei Deiner Kamera den manuellen Modus eingestellt hast. In der Nachtfotografie solltest Du Verschlusszeit und Blende manuell einstellen.
  • RAW-Format: Damit kannst Du anschliessend das Bild optimal bearbeiten.
  • Bildstabilisator ausschalten: Wenn Dein Objektiv über einen Stabilisator verfügt, schalte diesen immer aus wenn Du mit einem Stativ fotografierst.
  • Rauschunterdrückung: überlege Dir die kamerainterne Rauschunterdrückung auszuschalten. Je nach Belichtungszeit nimmst Du sonst lange Wartezeiten bis Du wieder auslösen kannst, in Kauf.
  • Spiegelvorauslösung: Verwendest Du eine Spiegelreflexkamera, schalte die Spiegelvorauslösung ein. Das Auslösen des Spiegels kann sonst ebenfalls zu leichten Verwacklungen führen.
3. Autofokus ausschalten und manuell scharf stellen
Im Dunkeln scharf zu stellen kann herausfordernd sein. Unser Tipp: Stelle Dein Objektiv auf unendlich und verwende nun die Live-View-Funktion Deiner Kamera. Zoome jetzt zu einem besonders hellen Stern und stelle manuell scharf. Sobald Dein Stern als knackiger Punkt ohne irgendwelche Schatten oder Ränder im Display erscheint kannst Du davon ausgehen, dass Du die richtige Schärfe eingestellt hast. Alternativ kannst Du in der Umgebung auch nach einem kleinen Licht, z.B. eine Laterne in der Ferne oder ähnliches, suchen und auf dieses Objekt scharf stellen.

4. Blende öffnen
Öffne nun die Blende so weit wie Dein Objektiv es zulässt, denn wir möchten ja so viel Licht wie möglich einfangen. Wähle also die kleinstmögliche Blendenzahl. Je nach Qualität des Objektivs kannst Du die maximale Blende nutzen, also z.B. 1.4 oder 2.8. Bei gewissen Objektiven kann es bei der Maximalblende in den Ecken zu einer unschönen Vignettierung kommen, dann besser die Blende wieder etwas mehr schliessen.

5. Die richtige Zeit einstellen
Die optimale Belichtungszeit hängt von der Brennweite und der Sensorgrösse der Kamera ab.

Grundsätzlich möchten wir ja so viel Licht wie möglich einfangen und deshalb eine lange Verschlusszeit verwenden. Während wir aber unsere Aufnahme belichten dreht sich unser Planet weiter. Das bedeutet, dass wenn die Verschlusszeit zu lange ist, erhältst Du aufgrund der Erdrotation kleine Striche statt schön scharfe Sterne auf Deinem Foto.

Die 500er-Regel für die richtige Belichtungszeit
Eine Indikation für die ideale Belichtungszeit kannst Du mit der 500er-Regel berechnen. Dazu teilst Du bei einer Vollformatkamera 500 durch die Brennweite Deines Objektivs.

Prüfe nach einer Aufnahme im 100% Ansichtsmodus ob die Sterne tatsächlich schön scharf sind und noch keine Striche gegeben haben. Hast Du bereits kleine Striche in der Aufnahme, reduziere Deine Belichtungszeit entsprechend.
Beispiele für die Berechnung der Belichtungszeit
Vollformatkamera
Du verwendest ein Objektiv mit einer Brennweite von 14mm:

500 / 14mm = 35.7 Sekunden

Cropkamera
Bei einem 14mm Objektiv rechnest Du hier noch den Cropfaktor mit ein (z.B. 1.5 bei Nikon).
Brennweite 14mm x Cropfaktor 1.5 = 21mm

500 / (14mm x 1.5) = 23.8 Sekunden
6. ISO einstellen
Damit Du mit der eingestellten Offenblende und der berechneten Belichtungszeit auch eine gute Belichtung hinkriegst, solltest Du den ISO-Wert etwas höher einstellen. Je nach Rauschverhalten der Kamera kannst Du z.B ISO 3200 wählen. Prüfe aber auf jeden Fall Deine Ergebnisse und entscheide für Dich selber, bis zu welchem ISO-Wert Du hochstellen kannst so, dass das Rauschen für Dich noch akzeptabel ist.

7. Weissabgleich
Eigentlich kannst Du den Weissabgleich bei einer RAW Aufnahme auch gut noch in der Bildbearbeitung anpassen. Ansonsten eignet es sich gem. unserer Erfahrung den Weissabgleich Kunstlicht/Glühlampe zu wählen oder einen manuellen Wert zwischen 2800 – 3000 Kelvin einzugeben.

8. Auslösen und Histogramm prüfen
Nachdem Du alles richtig eingestellt hast, kannst Du die Kamera auslösen. Prüfe anschliessend aufgrund des Histogramms ob die Belichtung korrekt ist. Versuche bei Nachtaufnahmen so weit rechts wie möglich zu belichten. So minimierst Du das Rauschen in den Schatten bzw. Tiefen.
Checkliste Kamera-Einstellungen
  1. Bildkomposition wählen
  2. M-Modus und RAW Format einstellen
  3. Autofokus ausschalten
  4. Bildstabilisator ausschalten
  5. 100% Vergrössern und manuell scharf stellen
  6. Liveview oder Spiegelvorauslösung aktivieren
  7. Rauschunterdrückung ausschalten
  8. ISO Wert erhöhen
  9. Blende öffnen
  10. Zeit mit der 500er Regel berechnen
  11. Weissabgleich Kunstlicht
  12. Histogramm prüfen
Milchstrasse fotografieren

Sternenhimmel über dem Engadin mit Blick von Muottas Muragl
Nikon D850, Nikoor 14 -24mm f/2.8, 14mm, f/2.8, 20s, ISO 2000

Die Bildbearbeitung Deiner Milchstrassenfotos
Bei der Bildbearbeitung gibt es verschiedene Wege und kommt natürlich vor allem auf Deinen persönlichen Geschmack an. Du kannst entweder in ein paar wenigen Schritte sehr viel aus Deinem Milchstrassenfoto herausholen oder Du investierst mehr Zeit und erstellst z.B. Timeblendings oder Focusstacking-Aufnahmen. Wir möchten Dir hier vor allem die Basics aufzeigen und Dir die wichtigsten Schritte in der Bildbearbeitung aufzeigen. Wir verwenden für unsere Bildbearbeitung jeweils Lightroom und/oder Photoshop.

Wichtig: Sieh dir nach einer Anpassung immer die Auswirkungen auf Dein Foto im 100% Ansichtsmodus an und entscheide dann, ob Du mit der Bearbeitung zufrieden bist.

Die wichtigsten Grundeinstellungen
  1. Setze ein Häkchen bei „Chromatische Abberationen entfernen“
  2. Beim Belichtungsregler solltest Du nun keine zu grossen Anpassungen mehr machen müssen, wenn Du bereits bei der Aufnahme auf die korrekte Belichtung geachtet hast.
  3. Prüfe den Weissabgleich und passe ihn bei Bedarf an
  4. Um die Milchstrasse ein besser zur Geltung zu bringen, kannst Du den Kontrast etwas erhöhen. Gleichzeitig kannst Du auch die Lichter etwas erhöhen und die Tiefen etwas runterschrauben.
  5. Den Klarheitsregler allenfalls ein bisschen nach rechts schieben.
  6. Je nach Bildmotiv kannst Du die Dynamik ein erhöhen und die Sättigung leicht nach links schieben. Damit erhält das Bild ein mehr Farbe, es wird aber nicht übermässig gesättigt.
  7. Mit den Gradationskurven kannst Du etwas mehr Kontrast aus dem Bild herausholen.
  8. Unter „Details“ maskierst Du „sehr stark“, damit können vor allem die Sterne knackig scharf hervorgehoben werden. Schärfe nun das Bild nach Deinem Geschmack.
  9. Ebenfalls nützliche Tools sind der Verlaufsfilter um im Himmel noch etwas mehr Kontrast bei den Sternen herauszuholen oder die Bereichskorrektur. Mit dieser kannst Du zum Beispiel lediglich die Milchstrasse noch ein bisschen mehr herausarbeiten.
Milchstrasse fotografieren

Vergleich Vorher/Nachher: mit den wichtigsten Grundeinstellungen in Lightroom kannst Du bereits sehr viel aus Deinem Milchstrassenfoto herausholen

Wir hoffen, dass Dir diese Tipps den Einstieg in die Nachtfotografie erleichtern und Du damit erfolgreich die Milchstrasse fotografieren kannst. Mit etwas Übung wirst Du bestimmt tolle Resultate erzielen.
Kostenloses eBook zum downloaden
Trage Dich jetzt in unsere Mailing-Liste ein und erhalte als Dankeschön unser eBook zur Milchstrassen Fotografie im praktischen PDF Format.

sharing is caring:

Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail
Jennifer Brühlmann
Jennifer Brühlmann
Reisen und Fotografie sind unsere Leidenschaft. Auf unserem Blog berichten wir über tolle Foto Locations weltweit, Tipps und Tricks in der Naturfotografie, unsere Fotoreisen und vieles mehr.