Wertvolle Tipps für korrekt belichtete Aufnahmen
Du fotografierst an einem spannenden Ort und bist dir nicht sicher, ob die Einstellungen korrekt sind und das Bild richtig belichtet ist? Die Displays der Kameras werden zwar immer besser und verfügen über höhere Auflösungen. Trotzdem sind sie relativ klein und je nach Lichteinfall schwierig bis gar nicht lesbar. Die digitale Fotografie hat zwar den Vorteil, dass man problemlos vom gleichen Motiv verschiedenste Bilder in unterschiedlichen Einstellungen erstellen kann. Zudem bietet die Nachbearbeitung vielfältige Möglichkeiten, um ein Foto zu korrigieren. Trotzdem kann es mit der falschen Belichtung passieren, dass wichtige Bilddetails verloren gehen, die auch in der Nachbearbeitung nicht mehr zurückgeholt werden können.
Es ist deshalb sehr hilfreich für deine Fotografie, wenn du das Histogramm verstehen lernst. Das Histogramm stellt nämlich sicher, dass die Details im Schatten und den Lichtern erhalten bleiben und keine wichtigen Bilddetails verloren gehen.
Wie du das Histogramm verstehen und für deine Fotografie nutzen kannst, erklären wir dir in diesem Artikel.
Was ist das Histogramm?
Die Digitalfotografie bietet uns ein sehr interessantes Werkzeug, um die Belichtung abschätzen zu können. Das Histogramm gibt dem Fotografen detaillierte Informationen zur Helligkeitsverteilung im Foto und zeigt die Anzahl der Pixel für jeden Helligkeitswert an.
Das Histogramm besteht aus einer vertikalen (Y) und einer horizontalen (X) Achse. Die X-Achse stellt die Helligkeitsstufen von schwarz bis weiss dar und reicht von den Tiefen über die Mitteltöne bis zu den Lichtern. Die Y-Achse zeigt die Anzahl der Pixel für jeden Wert. Je höher also ein „Berg“ im Histogramm dargestellt ist, desto häufiger kommt der entsprechende Tonwert vor.
Nikon Z8, Nikkor Z 24-120mm, f/4 S, 95mm, 1/80 Sek, f/11, ISO 100
Verlass dich nicht auf die Bildschirmanzeige deiner Kamera
Auf der Bildschirmanzeige deiner Kamera kannst du nur schwer erkennen, ob dein Bild richtig belichtet ist. Um Überraschungen zu vermeiden, orientierst du dich für die richtige Belichtung am besten am Histogramm. Es ist das perfekte Werkzeug, um zu prüfen, ob dein Foto richtig belichtet ist. Das hört sich auf den ersten Blick relativ kompliziert an und sieht auch so aus. Das Histogramm ist aber sehr einfach zu verstehen und anzuwenden.
Für die Belichtung des Fotos ist die X-Achse des Histogramms relevant. Aus diesen Angaben kannst du herauslesen, ob dein Foto unter- oder überbelichtet ist. Auf der linken Seite der X-Achse wird das 100-prozentige Schwarz abgebildet, auf der rechten Seite das 100-prozentige Weiss.
Tipp: Das Histogramm in Sucher oder Display anzeigen lassen
Bei spiegellosen Kameras kannst du dir die Anzeige des Histogramms im Sucher oder auf dem Display anzeigen lassen. Diese Funktion stellst du ganz einfach im Menü deiner Kamera ein. Wenn du nicht weisst, wo du diesen Ordner findest, hilft dir die Gebrauchsanweisung deiner Kamera weiter.
Nikon Z8, Nikkor Z 14-24mm, f/2.8 S, 22mm, 1.6 Sek, f/2.8, ISO 3200,
Eine Überbelichtung auf dem Histogramm erkennen
Das Histogramm in unserem Beispielbild stösst rechts sowie oben an und wird geradezu abgeschnitten. Ein solches Histogramm weist auf eine Überbelichtung hin. Die Tatsache, dass das Histogramm auf der rechten Seite sehr hoch ist, zeigt dir, dass grosse Bildbereiche überbelichtet sind. Das sieht man insbesondere anhand des Himmels. Solche überbelichteten Stellen bezeichnet man als «ausgerissen». Diese Bilddaten sind aufgrund der Überbelichtung verloren. Ein solches Bild kann auch in Lightroom oder Photoshop nur sehr limitiert „gerettet“ werden.
Dieses Bild könnte mit einer kürzeren Belichtungszeit, einer höheren Blendenzahl, oder weniger ISO korrigiert werden.
Eine Unterbelichtung auf dem Histogramm erkennen
In unserem Beispielfoto stösst das Histogramm nun auf der linken Seite an und wird ebenfalls abgeschnitten. Dieses Histogramm weist auf eine Unterbelichtung hin. Die Tatsache, dass das Histogramm auf der linken Seite sehr hoch ist, weist darauf hin, dass grosse Bildbereiche unterbelichtet sind. Das sieht man hier sehr gut an den nun schwarzen Felsen. Diese Fotodetails werden als «abgesoffene» Stellen bezeichnet. Auch in diesem Foto gehen Daten verloren und können in der Nachbearbeitung nur sehr limitiert „gerettet“ werden. Wenn man ein unterbelichtetes Foto in der Nachbearbeitung aufhellt, entsteht rasch ein Rauschen im Bild.
Um dieses Foto zu korrigieren, müsste die Belichtungszeit erhöht, die Blendenanzahl niedriger, oder ein höherer ISO-Wert eingestellt werden.
Eine richtige Belichtung auf dem Histogramm erkennen
Bei einem korrekt belichteten Foto erstreckt sich die Anzeige im Histogramm über die gesamte Breite, stösst jedoch weder rechts noch links an. Auch ohne das Foto zu sehen, kann man bei einem solchen Histogramm in der Regel eine ausgewogene Belichtung erwarten.
Ausnahme: High Key und Low Key Fotografie
Bei der spannenden High Key und Low Key Fotografie werden Foto bewusst ganz hell oder dunkel gestaltet und somit extra über- bzw. unterbelichtet. Auf dem Histogramm zeigt sich bei diesem Fotostil also eine steile Kurve am rechten oder linken Rand.
Checkliste – Fotografieren mit Histogramm
Überprüfe das Histogramm in der Live View deiner Kamera oder stelle das Histogramm für deine Bildwiedergabe ein, um nach einer Aufnahme das Histogramm auf deiner Kamera zu überprüfen.
Ist das Histogramm schön über die ganze Breite verteilt und es fällt auch nichts aus dem Rahmen, dann ist dein Foto korrekt belichtet.
Fällt das Histogramm auf der rechten Seite aus dem Rahmen oder wird oben abgeschnitten? Dann sind gewisse Bereiche deines Fotos überbelichtet.
Fällt das Histogramm auf der linken Seite aus dem Rahmen oder wird oben abgeschnitten? Dann sind gewisse Bereiche deines Fotos unterbelichtet.
Ist dein Foto unter- oder überbelichtet? Dann passe deine Einstellungen von Blende, Zeit und/oder ISO an und versuche so, das Histogramm zu beeinflussen und ein korrekt belichtetes Foto zu erhalten.
Nikon Z 8, Nikkor Z 24-120mm f/4 S, 37mm, 1/400 Sek, f/8, ISO 400
Mit einem Blick auf das Histogramm bringst du deine Fotografie auf das nächste Level und vermeidest über- bzw. unterbelichtete Fotos. Viel Spass beim Ausprobieren.
Auf unseren abwechslungsreichen Fotoreisen und Fotoworkshops analysieren wir gemeinsam das Histogramm. Schau dich gerne um, ob etwas Passendes für dich dabei ist.
Jennifer Brühlmann
Jennifer ist Gründerin und Geschäftsführerin von Amazing Views Photo & Adventure Tours sowie erfahrene Natur- und Landschaftsfotografin. Seit über zehn Jahren leitet sie Fotoreisen in unterschiedlichste Naturregionen der Welt sowie Fotoworkshops in der Schweiz. Ihr Fokus liegt auf Landschaften, natürlichen Formen, Lichtstimmungen und der bewussten Wahrnehmung von Natur. Mit viel Erfahrung und einem feinen Gespür für Orte vermittelt sie ihr fotografisches Wissen ruhig, strukturiert und praxisnah und mit dem Ziel, authentische Naturbilder entstehen zu lassen.
Bleibe auf dem Laufenden
Weitere hilfreiche Tipps & Tricks rund um die Fotografie erhältst du in unserem Newsletter. Zudem stellen wir dir regelmässig neue Fotoreiseziele vor oder informieren über aktuelle Spezialangebote.
Bleibe auf dem Laufenden und abonniere unseren Newsletter: